Cairn-Forschungsgesellschaft

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Besuch der Burgstall-Nekropole von Freudenstein

Neue FundePosted by K. Walter Haug Sat, October 31, 2009 01:55:21

Ein Erfolg versprechendes Grabungsprojekt

Es gibt immer noch Neues zu entdecken, auch an Stätten, von denen man als Entdecker glaubt, alles Wichtige zu kennen. Cairn 1 von Freudenstein ist ein etwa 100 m langer und 20 m breiter Lang-Cairn mit 5 oder 6 von West nach Ost und parallel zur Felswand ansteigenden Querstufen. Die niedrigste Stufe liegt im Westen und hat eine bemerkenswert gut erhaltene Fassade aus Sandsteinblöcken.

Eine der oberen Stufen im Osten, hier vor der Felswand im Hintergrund zu sehen.

Das Geheimnisvolle an diesem Cairn ist die merkwürdige Blockademauer, die zwischen Cairn und Felswand errichtet wurde und einen großen Teil des Cairns vom Boden aus unzugänglich macht.

Als ich mich an einem Sonntag im September (20.9.09) endlich entschloss, über die Megalithmauer an Cairn 1 zu steigen, dachte ich, außer Müll würde mir nichts Erwähnenswertes begegnen. Unten rechts zu sehen die Blockademauer von oben betrachtet, die Ecke der Felswand im Hintergrund, die Schlucht und links der Cairn, alles durch viel Vegetation undeutlich zu sehen.

Die Blockmauer von innen gesehen, hier wesentlich niedriger als von außen betrachtet.

Denn das Besondere hierbei ist, der Bereich hinter der Sperrmauer hat geschätzt ein 2 m höheres Bodenniveau als der Bereich davor, d. h. hier hat eine durch Erosion und Einsturz der Cairnfassade und ihrer Stufen stattgefundene Auffüllung die unteren Partien des Cairns zugedeckt und damit die Umfassungsmauer in entsprechender Höhe konserviert. Z. T. noch gut erhaltene Mauerpartien ragen aus den Ablagerungen heraus. Bis zu 2 m hohe und noch höhere Mauerpartien dürften daher weitgehend vollständig erhalten sein und damit auch die zu erwartenden Portale in die Megalithgräber. Diese Ganggräber kann man somit als weitgehend ungestört und ihre Kammern als aller Wahrscheinlichkeit nach ungeplündert erwarten. Hier die Mauerpartien unmittelbar hinter der Blockmauer.

Gerade die geschützte Lage hinter der sicher 5 m hohen und an der Basis ebenso dicken Sperrmauer hat die architektonischen Details dieses etwa 100 m langen und über 5 bis 6 Querstufen ansteigenden Lang-Cairns dort mehr als sonstwo konserviert. Es handelt sich um einen weitgehend unwegsamen, schluchtenartigen Bereich zwischen Cairn und Felswand, der viele gut erhaltene Mauerzüge aufweist, im Osten aber auch durch hinunter geworfenen Schutt arg ramponiert wurde. Archäologisch dürfte das dennoch eine der ergiebigsten Stätten hier im Südwesten sein. Der Cairn zeigt in dem Bereich neben den zahlreichen Querstufen auch eine markante Längsstufe auf. Das Bild zeigt die Blickrichtung nach Westen, links die Felswand mit der Schutthalde, die Schlucht, rechts der Cairn mit den Abstufungen.

Auf meiner Fotosafari musste ich die außerordentlich steile Südböschung des Cairns hinabsteigen, was nur ganz im Osten möglich war. Dabei begegnete mir zuerst der obere Bereich der Cairn-Böschung, wo deutlich gemauerte Steinlagen unter dem abgelagerten Lehm und Humus hervortreten, die ehemals die Fassade der oberen Stufe gewesen zu sein scheinen.

Diese Cairnwand, hier aus der Nähe zu betrachten, scheint damit mehr als andere gut rekonstruierbar.

Von dort oben konnte ich die Felswand gegenüber eingehend studieren. Von Ost nach West wandernd sah ich dann die seltsamen Mauerzüge vor der Felswand, einen vor einem hoch aufragenden Felspfeiler.

Ein weiterer versperrt eine rechteckige Nische im Fels. Welcher Steinbruchbetreiber mauert denn seine Felswand zu?

Danach tauchte eine hohe und relativ schmale Höhle in der Felswand auf, die mir ähnlich auch schon in der Felswand der Rohrhälde von Kürnbach begegnet ist.

Der Cairn erstreckt sich allein hier bis zur Sperrmauer über eine beachtliche Strecke. Eine ähnliche Blockademauer begegnete uns auch am Cairn-Ensemble im Schlössle-Steinbruch im Schlosswald bei Altenriet am Neckar. Auch dort ist der Bereich zwischen äußerer Felswand und Cairn durch eine breite Mauer aus Steinblöcken zugemauert. Mit Wall oder Mauer versperrt wurden auch schmale Gänge am Cairn III der Sommerhälde von Kürnbach, der Altar-Gang der Sommerhälde auf dem Ölmühlenkopf bei Oberderdigen und manche Gänge zwischen den Lang-Cairns auf dem Köpfle bei Obergrombach. Aber auch der lange schmale Gang zum Felsraum an der Zwerchhälde von Sternenfels ist mit einem Wall verbarrikadiert.

Hier wie dort lässt sich keine Funktion feststellen, die aus irgendeiner Tätigkeit im Steinbruch erschließbar wäre. Aus welchem Grund sollen Steinbruchbetreiber den Zugang zu ihrer Felswand, ihrer Rohstoffreserve, versperren?

Östlich der Höhle betrachtete ich die Mauer vor der Nische genauer und stellte fest, dass sie auch den hinteren östlichen Bereich der Schlucht verriegelt. Eine äußerst seltsame Konstruktion, die oben aus zwei parallel und eng gesetzten, in einer Sackgasse endenden Mauerzügen besteht. Steinbruchtechnisch macht diese Riegelmauer, wie auch die Blockmauer am Beginn überhaupt keinen Sinn.

Verblüffend, dass die Ecke des linken Mauerzugs vorne aus gerundeten Steinen besteht.

Wenn man die etwa 2 m hohe Verfüllung berücksichtigt, muss diese Mauer dementsprechend in die Tiefe reichen. Wer weiß, ob man es hier nicht mit einem Tor zu tun hat, das einen nur engen Durchlass gewährt? Die Freilegung dieser Mauerkluft wäre äußerst interessant. Auch die Mauerzüge an der Basis des Cairns, die hier zwischen äußerer und innerer Sperrmauer recht gut erhalten sind, lassen noch einiges im Untergrund erwarten. Im Panorama-Bild zu sehen der interessanteste Teil des umhegten Areals, wohl ursprünglich ein sakraler Bereich.

Von links nach rechts: Die Felswand mit der Höhle, die äußere Blockmauer im Hintergrund, die Mauerzüge an der Basis des Cairns, der Beginn der inneren Riegelmauer.

Wie schon in der Beschreibung von Freudensteins Burgstall-Nekropole ausgeführt, ist hier eine sorgfältig geplante und mit mit entsprechendem technischen Einsatz durchgeführte Grabung sicher mit Erfolg gesegnet. Die technischen Probleme allerdings sind nicht gering. Die tonnenschweren Steinquader, aus denen die Sperrmauer besteht, müssen mit entsprechendem Gerät bis auf das äußere Bodenniveau abgetragen und an anderer Stelle gelagert werden. Der Einsatz von Bagger oder Kran ist also notwendig. Dann allerdings dürfte die Grabung in den Bereich zwischen Cairn und Felswand hinein zügig vor sich gehen, obwohl auch hier immer wieder mit tonnenschweren, aus der Felswand gestürzten Felsbrocken zu rechnen ist, die schon jetzt z. T. erkennbar sind. Hier, vor allem vor den Mauerzügen, ist Manpower gefragt, obwohl in dem relativ schmalen Bereich auch ein Kabelbaggger oder eine kleine Planierraupe zum Zuge kommen könnte.

Ein nicht geringer finanzieller Aufwand ist zu bewältigen. Schön wäre es, wenn sich lokale Vertreter engagieren und Freiwillige für die Arbeit begeistern könnten. Eine Rekonstruktion des Cairns unter sachgerechter Hilfe des Landesdenkmalamts würde der Gemeinde ein archäologisches Juwel erster Güte bescheren, mit dem Touristen aus nah und fern in die strukturschwache Region gelockt werden könnten. Wie man hört, gibt es auch Schatzgräberfirmen in den USA, die den technischen Aufwand nicht scheuen, allerdings auch den entsprechenden Anteil an den Grabungsfunden einfordern. Wie sich das mit den 100 %-Ansprüchen des Landesdenkmalamts an Bodenfunden vereinbaren lässt, sei dahin gestellt. Eine Privatisierung im archäologischen Bereich ist angesichts der Inaktivität der staatlichen Behörde in diesem Bereich wohl gar nicht mehr zu vermeiden.